Mit Werbeanrufen Geld verdienen: Eine ungewöhnliche Gegenstrategie
Herr Mark Kopf betreibt in der Nähe von Krakau ein kleines Beratungsunternehmen. Wie viele andere Menschen hatte er genug von aufdringlichen Telefonverkäufern, die ihm immer neue Produkte und angebliche Wunderangebote verkaufen wollten. Statt die Gespräche nur zu beenden, entwickelte er eine ungewöhnliche Idee: Er richtete eine kostenpflichtige Premium-Rufnummer ein und nutzte sie für Kontakte mit Telemarketing-Unternehmen.
Eine Premium-Rufnummer gegen unerwünschte Werbung
Nach seiner Darstellung entstand die Idee während eines Projekts für ein Unternehmen, das Premium-Rufnummern verwaltete. Wiederholte Werbeanrufe unterbrachen seine Arbeit und brachten ihn aus dem Rhythmus. Er empfand nicht nur die Gesprächszeit als Verlust, sondern auch die Zeit, die er anschließend benötigte, um sich erneut zu konzentrieren.
Innerhalb einer Woche ließ er eine Premium-Rufnummer registrieren. Wenn Telemarketer mit ihm sprechen wollten, führte er die Gespräche über diese Nummer weiter. Auf diese Weise verdiente er einen kleinen Betrag an den Anrufen und empfand die Unterbrechungen als weniger ärgerlich.
Wie viel brachte ihm die Idee ein?
Nach sechs Monaten belief sich sein Verdienst nach eigenen Angaben auf ungefähr 100 Euro. Reich wurde er damit nicht. Für ihn bestand der eigentliche Nutzen darin, dass er aus den unerwünschten Gesprächen zumindest eine gewisse Genugtuung zog und sie gelegentlich bewusst verlängerte.
Besonders erinnerte er sich an Anrufe rund um eine im Jahr 2019 gebuchte Reise. Der Urlaub war über ein Reiseportal gekauft und vom später insolventen Veranstalter Neckermann organisiert worden. Nachdem der Zusammenbruch bekannt geworden war, meldete sich ein mit dem Portal verbundenes Versicherungsunternehmen und bot zusätzliche Absicherungen an. Herr Kopf hörte das Angebot an und fragte anschließend, ob der bereits insolvente Veranstalter weiterhin versichert werden könne. Daraufhin herrschte am anderen Ende der Leitung Schweigen.
Eine ähnliche Idee aus Großbritannien
Die Geschichte erinnert an Lee Beaumont aus Leeds, der 2013 mit einer vergleichbaren Premium-Rufnummer Geld durch unerwünschte Anrufe verdiente. Seine Vorgehensweise wurde damals von Marketingorganisationen und dem Premium-Dienstleister PhonepayPlus kritisiert. Nach deren Auffassung waren solche Rufnummern nicht für diesen Zweck vorgesehen und ihre Betreiber mussten bestimmte Informationspflichten erfüllen.
Herr Kopf erklärte, sein Unternehmen biete offiziell eine Beratung und Bewertung von Marketingangeboten an. Er sah die Gespräche deshalb als Teil einer tatsächlich angebotenen Dienstleistung.
Warum Telefonverkäufer so störend sein können
Seine Kritik richtete sich nicht nur gegen einzelne Mitarbeiter im Callcenter. Er störte sich vor allem daran, dass eine Telefonnummer für immer mehr alltägliche Dienstleistungen verlangt wurde – etwa beim Online-Banking oder beim Versand eines Pakets. Dadurch würden Menschen benachteiligt, die kein Mobiltelefon besitzen, keines nutzen möchten oder aufgrund einer Behinderung Schwierigkeiten mit bestimmten telefonischen Verfahren haben.
Die ungewöhnliche Methode löst dieses grundsätzliche Problem nicht. Sie zeigt jedoch, wie groß der Ärger über unerwünschte Werbeanrufe sein kann und zu welchen kreativen Gegenmaßnahmen sich Betroffene entschließen.
Autor: Beitrag wurde veröffentlicht in: Blog • 2020-06-09
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